Das Deutschlandticket ist beliebt, doch seine Zukunft offen. Niedersachsens Landkreise drängen auf eine gesicherte Finanzierung und fordern mehr Geld für den laufenden Betrieb im Nahverkehr.
Das Deutschlandticket wird breit genutzt, doch die Finanzierung bleibt unklar. Der niedersächsische Landkreistag (NLT) drängt deshalb auf eine rechtlich abgesicherte Perspektive. „Wir brauchen dringend von der Landesregierung Klarheit für das Deutschlandticket im Jahr 2026“, sagte NLT-Hauptgeschäftsführer Joachim Schwind. Er betonte zudem, das Ticket sei bislang nicht im niedersächsischen Nahverkehrsgesetz verankert.
Schwind kritisierte die aktuelle Praxis: „Bis jetzt fahren die Züge und Busse, die wir alle gern benutzen, letztlich auf Risiko der kommunalen ÖPNV-Anbieter. Und das kann nicht sein.“ In den vergangenen Jahren habe es jeweils eine Minister-Zusage auf Briefpapier gegeben, mögliche Verluste zu tragen. „Das ist kein Weg in der Demokratie, der auf Dauer, finde ich, gangbar ist.“
Zu Jahresbeginn stieg der Preis des Deutschlandtickets von 49 auf 58 Euro im Monat. Das Bundeskabinett hat beschlossen, das Ticket auch 2026 mit 1,5 Milliarden Euro zu unterstützen. Die Länder sollen ebenfalls 1,5 Milliarden beisteuern. Branchenverbände warnen dennoch vor einer Finanzierungslücke; eine weitere Preiserhöhung sei möglich.
Milliarden für Straßen, Schienen und Häfen
Parallel kündigte Landesverkehrsminister Grant Hendrik Tonne ein 1,8-Milliarden-Euro-Zukunftsprogramm an. Rund 500 Millionen Euro sollen zusätzlich in Busse und Bahnen fließen – unter anderem für neue Fahrzeuge und das Azubiticket. Weitere Mittel sind für Straßen, Brücken, Häfen und den Wohnungsbau vorgesehen. „Es soll sehr schnell vorangehen, zügige Fortschritte sind notwendig“, sagte der SPD-Politiker.
Der Landkreistag sieht die Investitionen positiv, fordert aber laufende Hilfen: „Wir brauchen auch mehr Betriebsmittel für den ÖPNV. Nicht nur eine schöne Investitionsplanung.“
Lies: Ticket muss langfristig bleiben
Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte schon als Verkehrsminister betont, das Deutschlandticket müsse langfristig erhalten bleiben. Ein Zurück zum „Tarifdschungel“ sei keine Option, hatte er im Februar gesagt. Nach Angaben des Verkehrsministeriums nutzten im ersten Halbjahr 2024 rund eine Million Menschen in Niedersachsen das Ticket – etwa jeder achte Einwohner. Trotz der Preiserhöhung sei eine Kündigungswelle ausgeblieben, hieß es damals.